1. Tag: Sonntag, 27. Mai 2001

Stadtrundgang in Tbilisi mit Kirchen,
Synagoge und Moschee

Teil 6: Das ehemalige Deutsche Viertel in Tbilissi

> Teil 1: Metechi-Kirche, Narikala
> Teil 2: Bäderviertel
> Teil 3: Kirchen in Tbilissi
> Teil 4: Synagoge
> Teil 5: Rathaus und Oper
> Teil 6: Deutsches Viertel

> Zur Geschichte von Tbilissi
> Stadtplan einblenden

Der Platz der evangelischen Kirche in Tbilissi befindet sich an der Dawit-Aghmashenebeli-Straße (vor dem 1. Weltkrieg: Michaelsstraße). Dies war das Zentrum des deutschen Viertels mit Pfarrhaus und Schule. Die Häuser entlang der früheren Michaelstraße aus der Gründerzeit wurden zumeist von deutschen Architekten gebaut: wie die Wohnhäuser von Paul Stern und Albert Salzmann, oder das Michaelskrankenhaus von Albert Salzmann.

Die ehemalige deutsche Kolonie Alexanderdorf und das deutsche Viertel Neu-Tiflis befinden sich entlang der Michaelsstraße und ihrer Fortsetzung in nördlicher Richtung. Eine Reihe von deutschen Architekten kamen in Tbilissi zu Ansehen und errichteten viele stadtbildprägende Gebäude.

Evangelische Kirche (sog. Deutsche Kirche) von 1897 (Aufnahme um 1900).

Leopold Bilfeld (1839-1919)

Nach seinem Studium in St. Petersburg begann er eine erfolgreiche Tätigkeit in Tbilissi, die ihn zu einem der bekanntesten Architekten seiner Zeit machte. Zu seinen Auftraggebern gehörten vor allem deutsche Kolonisten, wie die Familie Wetzel mit dem Hotel Wetzel. Eines seiner Hauptwerke ist die sog. Deutsche Kirche, 1894 bis 1897 mit Spenden der in Tbilissi wohnenden Deutschen gebaut. Sehenswert auch die Kashveti-Kirche, eine orthodoxe Kirche auf der Ebene des Rustaweli-Prospekts und einer Unterkirche, die russisch-orthodox ist. Hier versuchte Bilfeld die Formen des traditionellen georgischen Kirchenbaus mit zeitgenössischen Formen und Techniken zu verbinden.

Kashveti-Kirche (1904-1910)

Albert Salzmann (1833-1897)

Unter den Architekten des 19. Jh. in Tbilissi war Albert Salzmann, Sohn eines reichen deutschen Kolonisten, der bekannteste. Er studierte in Petersburg und von 1861 an wurden viele Wohnhäuser und öffentliche Gebäude, die heute noch das Stadtbild prägen, von ihm errichtet. Interessant an seinen Bauten ist, dass auch er sich bemühte, am Beginn des Historismus in Tbilissi in den sechziger Jahren des 19. Jh. in seinen Fassadenlösungen traditionelle Motive der georgischen Architektur mitzuverwenden, wie z. B. heute noch gut zu sehen in der Tabize-Straße 22 aus den 80er Jahren. Salzmann, obschon deutscher Abstammung, fügte sich wie Bilfeld in das Bestreben der national-romantischen Stilbewegung in der georgischen Architektur in der zweiten Hälfte des 19. Jh. ein. Er war Mitglied der Akademie und aller wichtiger Kunstkomitees in der Stadt und wurde wie Bilfeld mit Orden und Ehrenzeichen überhäuft. Einige Jahre war er auch Abgeordneter im Stadtrat von Tbilissi.

Wohnhaus des Architekten

Michaelskrankenhaus
Eingang und Treppenhaus

Victor Schröter (1839-1901)

Schröter gehörte im 19. Jh. zu den bedeutendsten Architekten in Petersburg, der in Berlin und Petersburg
studiert hatte und neben der Oper von Tbilissi weitere Theater in Kiew, Irkutsk, den Bahnhof in Odessa und auch die orthodoxe Kirche in Bad Kissingen baute.

Paul Stern

Das Markenzeichen von Paul Stern in seinen zahlreichen Wohnbauten ist der Davidstern in den Sprossenfenstern. Paul Stern kam in den 70er Jahren des 19. Jh. als Assistent von Victor Schröter nach Tbilissi.

Sein wichtigstes Gebäude ist der Rathausneubau am heutigen Freiheitsplatz.

Wohnhaus des Architekten

Das Rathaus von Tbilissi am Freiheitsplatz